PRE kaufen - beim Züchter in Deutschland
Text: Julia Präger
Beim Kauf direkt vom Züchter kann man das Pferd vor Ort sehen – häufig auch:
Ein guter Züchter:
👉 Ein wichtiger Prüfpunkt für Käufer: Kann der Züchter die Unterschiede seiner Hengste und Stuten erklären?
Wenn er dabei begeistert ins Erzählen kommt, seid ihr meist richtig.
Aufzucht & Prägung
Pferde aus deutscher Zucht wachsen in der Regel nach hohen Aufzuchtstandards auf:
Ein besonders wichtiger Punkt ist die frühe Prägung:
Fohlen erleben den Menschen bereits in den ersten Lebensstunden, werden zur Milchbar begleitet und lernen von Anfang an:
👉 Der Mensch gehört zu meinem Leben.
Dieses frühe Urvertrauen lässt sich später nur sehr schwer nachholen und ist meiner Erfahrung nach wichtiger als ein perfekt „gehandeltes“ Jungpferd.
Haltung & Sozialisation
Idealerweise wachsen Fohlen und Jungpferde auf:
Das fördert:
Reine Weideaufzucht klingt romantisch, bedeutet aber oft:
Angebot & Preise
Beim deutschen Züchter findet man meist:
Preisrahmen (grob):
Die Preise spiegeln die hohen Aufzuchtkosten und Standards in Deutschland wider.
Ein wichtiger Punkt, der dabei häufig missverstanden wird:
Auch ein Züchter muss wirtschaftlich arbeiten. Er ist – genau wie ein Händler – darauf angewiesen, seine Nachzuchten zu verkaufen, um dauerhaft bestehen zu können. Zucht ist kein reines Hobby, sondern mit erheblichen finanziellen, zeitlichen und organisatorischen Investitionen verbunden.
Der entscheidende Unterschied liegt jedoch nicht im wirtschaftlichen Druck, sondern in der inneren Haltung.
Ein guter Züchter investiert über Jahre hinweg:
in seine Pferde. Er begleitet sie von der Geburt an, kennt ihre Entwicklung, ihre Stärken, ihre Schwächen und ihren Charakter. Dadurch entsteht zwangsläufig eine emotionale Bindung zu seinen Schützlingen.
Genau aus diesem Grund verkauft ein seriöser Züchter seine Pferde nicht an irgendwen, sondern nur dann, wenn er überzeugt ist, dass Pferd und Mensch wirklich zusammenpassen.
Diese Kombination aus wirtschaftlicher Realität und ethischer Verantwortung ist ein zentrales Merkmal seriöser Zuchtarbeit.
Anmerkung zur AKU
Eine Ankaufsuntersuchung (AKU) macht in der Regel frühestens ab einem Alter von drei Jahren Sinn, bei Spätentwicklern wie PREs oft auch erst ab fünf Jahren.
Selbstverständlich kann auch bei jüngeren Pferden eine klinische AKU durchgeführt werden – insbesondere dann, wenn der Käufer selbst absoluter Laie ist und beispielsweise nicht beurteilen kann, ob ein Pferd angelaufene Beine hat oder nicht.
Bei Fohlen und Jungpferden direkt vom seriösen Züchter sind jedoch in der Regel keine groben gesundheitlichen Überraschungen zu erwarten, da ein seriöser Züchter relevante Befunde bereits im Vorfeld offen kommuniziert hätte.
Gerade bei Jungpferden ist zudem zu berücksichtigen, dass Entwicklung nicht gleich Befund ist.
Wachstumsphasen, vorübergehende Unregelmäßigkeiten oder noch nicht vollständig abgeschlossene körperliche Entwicklungen sind normal und insbesondere bei Spätentwicklern wie PREs rassetypisch.
Eine AKU sollte bei jungen Pferden daher immer im Zusammenhang mit Alter, Entwicklungsstand und Nutzungsperspektive bewertet werden – idealerweise mit einem Tierarzt, der Erfahrung mit Jungpferden und Iberern hat.
Züchter oder Händler? – eine entscheidende Unterscheidung
Unabhängig davon, ob ein Pferd in Deutschland, Spanien oder einem anderen Land gezüchtet wurde, sollte sehr genau unterschieden werden, ob es sich um einen echten Zuchtbetrieb oder primär um einen Handelsbetrieb handelt.
Ein seriöser Züchter plant langfristig, kennt die Entwicklung seiner Linien, kauft gezielt einzelne Tiere zur Ergänzung der Zucht ein und verkauft Pferde in der Regel erst nach sorgfältiger Entwicklung und ehrlicher Einschätzung ihrer Belastbarkeit.
Dem gegenüber stehen Betriebe, die zwar züchten, deren Hauptgeschäft jedoch im regelmäßigen An- und Verkauf von Pferden liegt. Hier besteht ein deutlich höheres Risiko, dass Mängel übersehen, falsch eingeschätzt oder bewusst in Kauf genommen werden – insbesondere bei Pferden aus dem Ausland, bei denen Vorgeschichte, Aufzucht und frühe Nutzung nicht vollständig bekannt sind. Ein solcher Züchter im "Schafspelz" wird natürlich nicht so ehrlich, korrekt, offen und pro Pferd beraten.Ein Züchter kann immer begründen warum er ein zugekauftes Pferd nun doch abgibt oder welche Gedanken er sich beim Zukauf gemacht hat.
Käufer sollten daher nicht nur nach Herkunft und Preis fragen, sondern sich kritisch mit der Arbeitsweise, Fachkompetenz und Philosophie des Anbieters auseinandersetzen.