PRE kaufen - direkt in Spanien


Text: Julia Präger


Der Direktkauf eines Pferdes in Spanien wirkt für viele Käufer zunächst attraktiv: große Auswahl, Ursprungsland der PREs und Iberer, zahlreiche Angebote über Fotos, Videos und Vermittler.
In der Praxis ist dieser Kaufweg jedoch der risikoreichste, insbesondere für Hobbykäufer oder Einmalkäufer.

Grundsätzlich gibt es zwei Varianten:

  • Kauf über Vermittler oder Händler, die Pferde in Spanien anbieten
  • Direktkauf vor Ort in Spanien, z. B. bei Züchtern, Privatbesitzern oder Kleinzüchtern

Beide Wege unterscheiden sich im Detail, bringen jedoch ähnliche strukturelle Risiken mit sich.


Kauf über Vermittler oder Händler

Vermittler und Händler, die Pferde „direkt aus Spanien“ anbieten, kennen die deutschen Marktpreise sehr genau.
Die Verkaufspreise liegen daher meist:

  • leicht unter deutschem Preisniveau
  • jedoch nicht auf echtem spanischem Preisniveau

Zusätzlich fallen für den Käufer Transportkosten an.

👉 Ein wirklich „spanischer Preis“ ist über Vermittler in der Regel nicht zu erzielen.


Rechtlich besteht zwar ein gewisser Haftungsrahmen, dieser ist jedoch:

  • stark eingeschränkt
  • schwer durchsetzbar
  • in der Praxis kaum nutzbar, insbesondere bei später auftretenden Mängeln

Aufgrund der räumlichen Distanz und der Beweislast ist der Käufer im Problemfall häufig nahezu handlungsunfähig.

Hinzu kommt eine sehr große Qualitätsspanne bei Vermittlern.
Es gibt einzelne Vermittler mit extrem hoher fachlicher Kompetenz und sehr strenger Selektion, die Pferde genau analysieren und bewusst nicht alles anbieten. Daneben existieren jedoch auch viele Anbieter, bei denen der Eindruck entsteht, dass:

  • biomechanische oder mentale Auffälligkeiten nicht erkannt werden
  • oder nicht erkannt werden wollen
  • oder nahezu jedes Pferd angeboten wird, das sich verkaufen lässt

Für den Käufer ist von außen kaum erkennbar, in welche Kategorie ein Vermittler fällt. Der Kauf über Vermittler ist daher stark personenabhängig und entsprechend risikobehaftet.


Direktkauf in Spanien ohne Vermittler

Der direkte Kauf vor Ort kann theoretisch zu niedrigeren Preisen führen – ist jedoch mit maximalem Risiko verbunden.

Man muss sich klar machen:

  • für viele spanische Verkäufer ist der ausländische Käufer ein einmaliger Kunde
  • eine langfristige Kundenbeziehung besteht nicht
  • entsprechend gering ist häufig die Motivation, langfristig ehrlich und sorgfältig zu agieren

Hinzu kommt eine andere Verkaufskultur. Ohne pauschal zu werten, lässt sich festhalten, dass der Fokus häufig stärker auf Präsentation und Verkauf liegt als auf nachhaltiger Passung zwischen Pferd und Käufer.

Seriöse Ausnahmen existieren – sie sind jedoch schwer zu finden und in der Regel nicht die ersten Anbieter, auf die man stößt.


Kauf über Fotos und Videos – ein hohes Risiko

In der Praxis erfolgt der Spanienkauf häufig ausschließlich über:

  • Fotos
  • kurze Videos
  • zusammengeschnittene Sequenzen

Diese Materialien werden naturgemäß:

  • aus optimalen Winkeln aufgenommen
  • stark selektiert
  • problematische Bewegungsphasen ausgelassen

Für einen Hobbykäufer ist es nahezu unmöglich, auf dieser Basis belastbare Aussagen zu:

  • Gesundheit
  • Rittigkeit
  • mentaler Stabilität
  • langfristiger Belastbarkeit zu treffen.

Auffälligkeiten zeigen sich häufig erst:

  • in längeren Sequenzen
  • unter Ermüdung
  • in Übergängen

genau diese Aspekte fehlen in Verkaufsmedien meist vollständig.


Tierärztliche Untersuchung – zwingend erforderlich !!!

Unabhängig davon, ob der Käufer Profi oder Hobbyreiter ist, gilt:

👉 Ein Kauf ohne unabhängige tierärztliche Untersuchung ist hochriskant.

Dabei ist entscheidend:

  • der Tierarzt muss vom Käufer selbst ausgewählt und beauftragt werden
  • der Käufer muss direkter Auftraggeber sein
  • die komplette AKU sollte vollständig gefilmt werden
  • sämtliches Röntgen- und Videomaterial sollte einem eigenen Tierarzt in Deutschland zur Zweitbewertung vorgelegt werden

Nur so entsteht ein Mindestmaß an Transparenz und Verbindlichkeit.

Nach dem Kauf: Pferd möglichst schnell nach Deutschland holen

👉 Ein in Spanien gekauftes Pferd sollte – wenn möglich – so schnell wie möglich nach Deutschland geholt werden.

Sobald das Pferd verkauft ist und der Verkäufer nicht mehr Eigentümer ist:

  • sinkt die Motivation zur sorgfältigen Betreuung häufig deutlich
  • Kontrolle durch den Käufer ist kaum noch möglich

Besonders kritisch ist es, wenn das Pferd:

  • noch Wochen oder Monate in Spanien verbleibt
  • dort zur Ausbildung oder zum Anreiten bleiben soll

Es existieren reale Fälle, in denen Pferde in dieser Phase:

  • stark vernachlässigt wurden
  • gesundheitlich massiv abgebaut haben
  • oder sogar verstorben sind!


Ausbildung in Spanien – nur unter sehr engen Bedingungen

Auch beim Direktkauf in Spanien gilt: Ein dort angerittenes Pferd ist nicht automatisch der einfachere Weg. Häufig bringen diese Pferde mentale und körperliche Belastungen aus dem Ausbildungssystem mit, die später deutlich mehr Zeit, Fachwissen und Kosten verursachen können als die Ausbildung eines mit Grundvertrauen und Prägung auf den Menschen aufgewachsenes Pferd in Deutschland.

Soll ein Pferd nach dem Kauf noch in Spanien zur Ausbildung bleiben, ist höchste Vorsicht geboten.

Vertretbar ist dies nur bei:

  • sehr enger Kontrolle
  • regelmäßigen Vor-Ort-Besuchen
  • lückenloser Video-Dokumentation - ungeschnittene Videos!
  • klaren schriftlichen Absprachen
  • idealerweise Zahlungen in Etappen (Ratenzahlung)

Nicht aus Misstrauen, sondern weil:
👉 Kontrolle das einzige funktionierende Sicherungsinstrument ist.


Haltungs- und Aufzuchtbedingungen in Spanien

Ein wesentlicher, oft unterschätzter Punkt sind die grundlegend anderen Haltungs- und Aufzuchtbedingungen in Spanien.

In vielen Regionen wachsen Pferde:

  • auf dem sogenannten „Feld“ auf
  • in großen Gruppen
  • mit kaum oder keinem regelmäßigen Menschenkontakt
  • unter sehr kargen Futterbedingungen

Die Pferde müssen sich ihr Futter teilweise selbst zusammensuchen, häufig ist das Angebot knapp.
Diese Form der Aufzucht führt zu einer extrem harten natürlichen Selektion – robuste Pferde überleben, schwächere fallen früh aus. Dies ist jedoch keine behütete oder kontrollierte Aufzucht, wie sie in Deutschland üblich ist.

Daneben existieren auch gegenteilige Extreme:

  • Pferde, die ihr Leben fast ausschließlich in der Box verbringen
  • kaum Bewegung haben
  • wenig Sozialkontakt kennen

Die Spannbreite ist sehr groß. Insgesamt sind die gesetzlichen Vorgaben zur Pferdehaltung in Spanien deutlich lockerer als in Deutschland. Haltungsformen, die dort erlaubt sind, wären in Deutschland nicht zulässig und würden unmittelbar das Veterinäramt auf den Plan rufen.


Fütterung & Gesundheitsmanagement

Auch die Fütterung unterscheidet sich grundlegend von deutschen Standards. Heu ist in Spanien aufgrund von Klima und Vegetation keine Selbstverständlichkeit - gibt es eigentlich nicht.
Viele Pferde werden gefüttert mit:

  • Stroh
  • eingeweichtem Getreide
  • Erbsen, Bohnen
  • Luzerne (sehr eiweißreich, stark stängelig)
  • Kraftfutter

Mineralfutter, regelmäßige Entwurmung und Impfprogramme sind nicht flächendeckend Standard meistens sind die Pferde ungeimpft. Heu in nennenswerter Qualität erhalten in der Regel nur Pferde aus hochpreisigen, professionellen Zuchten – diese sind jedoch nicht günstiger als deutsche Zuchten.


Gesundheitsrisiken nach Import

Ein weiterer Risikofaktor ist die klimatische und ökologische Umstellung.

Ein Pferd, das in Spanien:

  • ekzemfrei
  • leistungsfähig
  • gesundheitlich unauffällig

ist, kann nach dem Import nach Deutschland:

  • Ekzem entwickeln
  • Stoffwechselprobleme bekommen
  • mit dem feuchteren Klima schlecht zurechtkommen

Auch hier gilt:
👉 Gesundheit im Ursprungsland ist keine Garantie für Gesundheit im Zielland.


Preisrealität in Spanien

Auch in Spanien gilt:

  • gut ausgebildete
  • mental stabile
  • gesundheitlich belastbare

Pferde sind teuer. Günstige, bereits gerittene Pferde weisen – wie auch in Deutschland – meist:

  • gesundheitliche
  • mentale
  • oder ausbildungstechnische

Mängel auf. 👉 Spanien ist kein Schnäppchenmarkt für gute Reitpferde. Geritten heißt in Spanien in aller Regel es sahs mal jemand in allen drei Gangarten drauf. Von lenken, anhalten, Gänge wechseln ist oft nicht die Rede. Bereiter in Spanien sind absolute Profis! Sie können sehr viel "wegreiten", was man selbst als Hobbyreiter nicht schaffen wird, so dass das Pferd toll reitbar aussieht und dann sitzt man selbst drauf und merkt hoppla alles ganz anders als gedacht.


Regelmäßige Käufer vs. Einmalkäufer

Eine gewisse Sicherheit entsteht nur dann, wenn:

  • regelmäßig bei denselben Verkäufern gekauft wird
  • eine langfristige Geschäftsbeziehung besteht

In diesen Fällen besteht zumindest ein wirtschaftliches Interesse des Verkäufers, den Käufer nicht zu verlieren.

Für Einmalkäufer besteht dieser Anreiz nicht.


Einordnung zu positiven Erfahrungsberichten

In sozialen Medien finden sich zahlreiche Berichte von Käufern, die mit ihrem in Spanien gekauften Pferd sehr zufrieden sind.
Diese Erfahrungen sind real und sollen nicht in Frage gestellt werden.

Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass öffentlich sichtbare Berichte keinen repräsentativen Querschnitt darstellen.
Probleme zeigen sich häufig zeitverzögert – etwa nach Monaten, nach Trainingssteigerung oder nach vollständiger Umstellung auf deutsche Haltungsbedingungen – und werden deutlich seltener öffentlich gemacht.

Positive Einzelfälle widerlegen daher nicht die grundsätzlichen Risiken dieses Kaufwegs, sondern zeigen, dass ein Spanienkauf funktionieren kann, jedoch stark vom Einzelfall, vom Verkäufer bzw. Vermittler und vom weiteren Management abhängt.


Fazit zum Direktkauf in Spanien

Der Direktkauf in Spanien bietet:

  • eine sehr große Auswahl
  • Zugang zum Ursprungsmarkt

Er erfordert jedoch:

  • sehr viel Fachwissen
  • höchste Vorsicht
  • unabhängige tierärztliche Kontrolle
  • realistische Erwartungen
  • die Bereitschaft, ein hohes Risiko zu tragen

Für Einmalkäufer/Hobbyreiter/Laien bietet dieser Weg in der Regel keine echte Ersparnis, sondern vor allem ein erheblich erhöhtes Risiko. Wenn du bereits sehr viel Erfahrung hast, auf Reitvideos siehst, tritt das Pferd unter, verspannt es sich oder nicht usw.. dann kannst du direkt in Spanien ein Pferd kaufen. Meine Erfahrung ist, dass das die meisten langjährigen Hobbyreiter nicht können. Für einen Kauf in Spanien muss man wirklich einen geschulten Blick haben! Kenne sogar einige Züchter und Profis die auf die raffinierten Videos und Verkaufsfotos reingefallen sind und das nicht nur einmal!