PRE kaufen - bei Privatperson in Deutschland


Text: Julia Präger


Der Kauf eines Pferdes von einer Privatperson ist aus fachlicher und rechtlicher Sicht ein besonders sensibles Thema.

Rechtlich besteht beim Privatverkauf in der Regel keine Gewährleistung, eine Haftung greift nur bei nachweisbarer arglistiger Täuschung. Diese ist im Nachhinein jedoch extrem schwer bis nahezu unmöglich zu beweisen. Das bedeutet: Das Risiko liegt fast vollständig beim Käufer.


Sehr unterschiedliche Verkäufertypen! Bei Privatpersonen findet man eine sehr große Bandbreite an Verkäufern:

  • sehr bemühte, verantwortungsvolle Pferdebesitzer, die ihr Pferd aus äußeren Gründen (Zeitmangel, Krankheit, familiäre Veränderungen) abgeben müssen und dabei möglichst ehrlich und transparent sein wollen
  • Verkäufer mit besten Absichten, aber fachlichen Defiziten, die den Gesundheitszustand, die Belastbarkeit oder den Ausbildungsstand ihres Pferdes falsch einschätzen
  • Verkäufer, die ein Pferd gezielt abgeben, weil gesundheitliche oder charakterliche Probleme bestehen, diese jedoch nicht offen kommunizieren

Einen einheitlichen, verlässlich einschätzbaren Privatverkäufer gibt es nicht.


Hohe Spannbreite bei Qualität und Risiko

Beim Privatkauf kann man:

  • ein hervorragend passendes Pferd finden
  • oder ein gesundheitlich, mental oder ausbildungstechnisch stark eingeschränktes, dauerhaft unreitbares Pferd erwerben

Beides ist möglich. Das Risiko trägt der Käufer allein. Entscheidend ist dabei weniger, ob ein Pferd Mängel hat, sondern:

welche Mängel bestehen und ob sie die geplante Nutzung einschränken.

„Gesund“ bedeutet nicht automatisch „nutzbar“! Viele Privatverkäufer beschreiben ihr Pferd ehrlich als „gesund“.
Gemeint ist damit häufig:

  • keine akute Lahmheit
  • normales Fressverhalten
  • problemloser Koppelgang
  • gelegentliches Reiten möglich

Käufer verstehen unter „gesund“ jedoch oft:

  • dauerhaft belastbar
  • trainingsfähig
  • steigerungsfähig
  • für die gewünschte Nutzung geeignet

Ein Pferd kann medizinisch gesund sein und dennoch nicht oder nur sehr eingeschränkt nutzbar für bestimmte Ziele.

„Bei mir hat es funktioniert“ ≠ „funktioniert für dich“

Viele Privatpferde sind über Jahre hinweg auf eine bestimmte Person angepasst:

  • Gewicht
  • Reitstil
  • Hilfengebung
  • Trainingsintensität
  • Anspruchsniveau

Nach dem Verkauf ändern sich diese Faktoren häufig schlagartig. Probleme treten dann nicht selten erst Wochen oder Monate später auf. Dass ein Pferd beim bisherigen Besitzer gut funktioniert hat, bedeutet daher nicht automatisch, dass es unter anderen Bedingungen genauso tragfähig ist.


Schleichende Probleme und Zeitfaktor

Gesundheitliche oder mentale Einschränkungen entstehen häufig nicht plötzlich, sondern entwickeln sich über längere Zeit.

Private Besitzer passen sich oft unbewusst an:

  • sie reiten weniger
  • vermeiden bestimmte Situationen
  • reduzieren Belastung
  • kompensieren Einschränkungen

Dadurch wirkt das Pferd im bekannten Umfeld weiterhin „in Ordnung“, während es für einen neuen Besitzer mit anderen Anforderungen nicht mehr tragfähig ist. Viele Aussagen sind daher subjektiv ehrlich, aber objektiv unvollständig.


Emotionale Nähe & Betriebsblindheit

Private Pferdebesitzer haben meist eine enge emotionale Bindung zu ihrem Pferd.
Diese Nähe kann – trotz bester Absichten – zu einer verzerrten Wahrnehmung führen:

  • Schwächen werden relativiert
  • Auffälligkeiten als „Charakter“ eingeordnet
  • objektive Vergleichsmöglichkeiten fehlen

Das ist menschlich, stellt für Käufer jedoch ein zusätzliches Risiko dar.


Trainings- und Nutzungswechsel als Risikofaktor

Viele Privatpferde funktionieren gut innerhalb ihres bekannten Systems:

  • gewohnte Umgebung
  • feste Abläufe
  • begrenzte Anforderungen

Nach dem Verkauf ändern sich häufig:

  • Stallform
  • Trainingshäufigkeit
  • reiterliche Ansprüche
  • Tagesstruktur

Dieser Wechsel kann sowohl körperliche als auch mentale Probleme erst sichtbar machen, selbst bei Pferden, die zuvor lange unauffällig waren.


Zeitdruck & emotionale Ausnahmesituationen

Privatverkäufe entstehen oft aus persönlichen Notlagen:

  • Krankheit
  • familiäre Veränderungen
  • Zeit- oder Geldmangel

In solchen Situationen stehen Verkäufer unter Druck. Probleme werden dann nicht zwingend bewusst verschwiegen, sondern teilweise verdrängt oder verharmlost, um eine Lösung zu finden.


Psychische Altlasten & Ausbildungslücken

Nicht alle Probleme sind körperlich bedingt. Viele Privatpferde bringen psychische oder ausbildungsbedingte Themen mit, etwa:

  • Unsicherheiten
  • inkonsequente Ausbildung
  • falsche Lernerfahrungen
  • Über- oder Unterforderung

Diese zeigen sich häufig erst im neuen Umfeld und nicht zwingend bei kurzen Besichtigungen oder Proberitten.


Preisgestaltung & Marktverzerrung

Die Preisgestaltung im Privatverkauf ist extrem variabel:

  • von sehr günstig („muss sofort weg“)
  • über vermeintliche „Top-Anfängerpferde“ im Bereich um 5.000 €
  • bis hin zu gut ausgebildeten Pferden im Bereich von 15.000–40.000 €

Dabei werden jahrelange Kosten für:

  • Haltung
  • Training
  • Futter
  • Tierarzt
  • Zeitaufwand

in der Regel nicht realistisch einkalkuliert. Häufig orientiert sich der Preis am damaligen Kaufpreis oder liegt darunter – insbesondere dann, wenn inzwischen gesundheitliche Einschränkungen bestehen.

Ganz klar gesagt: 👉 Ein topgesundes, verlässlich gerittenes Anfängerpferd für 5.000 € existiert faktisch nicht.


Wann ein Privatkauf sinnvoll sein kann

Trotz der genannten Risiken kann ein Privatkauf in bestimmten Konstellationen sinnvoll sein.

Ein Privatkauf ist insbesondere dann vertretbar, wenn:

  • man das Pferd über einen langen Zeitraum selbst kennt, z. B. als Reitbeteiligung
  • man es in unterschiedlichen Situationen erlebt hat (Training, Pausen, Krankheit, Alltag)
  • Entwicklung, Belastbarkeit und Schwächen realistisch einschätzen kann

Auch der Kauf aus dem nahen persönlichen Umfeld kann sinnvoll sein, etwa:

  • von einer sehr guten Freundin
  • aus dem eigenen Stall
  • von jemandem, dessen Umgang, Training und Management man über Jahre kennt

In diesen Fällen ist bekannt:

  • wie das Pferd gehalten wurde
  • wie es ausgebildet wurde
  • welche gesundheitlichen Themen bestanden oder bestehen
  • wie reflektiert und ehrlich der Verkäufer mit seinem Pferd umgeht

Der entscheidende Unterschied zum klassischen Privatkauf liegt darin, dass der Käufer nicht auf Beschreibungen angewiesen ist, sondern das Pferd bereits kennt.


Fazit zum Privatkauf

Der Kauf eines Pferdes von einer Privatperson kann funktionieren, ist jedoch die risikoreichste Kaufoption, insbesondere wenn Pferd und Verkäufer unbekannt sind.

Er erfordert:

  • viel Fachwissen
  • realistische Erwartungen
  • eine konsequente Ankaufsuntersuchung
  • und die Bereitschaft, Risiken bewusst zu tragen

Je besser Käufer das Pferd, seine Vorgeschichte und seine Grenzen kennen, desto geringer wird das Risiko.
Je unbekannter Pferd und Verkäufer sind, desto größer ist die Eigenverantwortung des Käufers.