PRE kaufen - bei Privatperson in Deutschland
Text: Julia Präger
Der Kauf eines Pferdes von einer Privatperson ist aus fachlicher und rechtlicher Sicht ein besonders sensibles Thema.
Rechtlich besteht beim Privatverkauf in der Regel keine Gewährleistung, eine Haftung greift nur bei nachweisbarer arglistiger Täuschung. Diese ist im Nachhinein jedoch extrem schwer bis nahezu unmöglich zu beweisen. Das bedeutet: Das Risiko liegt fast vollständig beim Käufer.
Sehr unterschiedliche Verkäufertypen! Bei Privatpersonen findet man eine sehr große Bandbreite an Verkäufern:
Einen einheitlichen, verlässlich einschätzbaren Privatverkäufer gibt es nicht.
Hohe Spannbreite bei Qualität und Risiko
Beim Privatkauf kann man:
Beides ist möglich. Das Risiko trägt der Käufer allein. Entscheidend ist dabei weniger, ob ein Pferd Mängel hat, sondern:
welche Mängel bestehen und ob sie die geplante Nutzung einschränken.
„Gesund“ bedeutet nicht automatisch „nutzbar“! Viele Privatverkäufer beschreiben ihr Pferd ehrlich als „gesund“.
Gemeint ist damit häufig:
Käufer verstehen unter „gesund“ jedoch oft:
Ein Pferd kann medizinisch gesund sein und dennoch nicht oder nur sehr eingeschränkt nutzbar für bestimmte Ziele.
„Bei mir hat es funktioniert“ ≠ „funktioniert für dich“
Viele Privatpferde sind über Jahre hinweg auf eine bestimmte Person angepasst:
Nach dem Verkauf ändern sich diese Faktoren häufig schlagartig. Probleme treten dann nicht selten erst Wochen oder Monate später auf. Dass ein Pferd beim bisherigen Besitzer gut funktioniert hat, bedeutet daher nicht automatisch, dass es unter anderen Bedingungen genauso tragfähig ist.
Schleichende Probleme und Zeitfaktor
Gesundheitliche oder mentale Einschränkungen entstehen häufig nicht plötzlich, sondern entwickeln sich über längere Zeit.
Private Besitzer passen sich oft unbewusst an:
Dadurch wirkt das Pferd im bekannten Umfeld weiterhin „in Ordnung“, während es für einen neuen Besitzer mit anderen Anforderungen nicht mehr tragfähig ist. Viele Aussagen sind daher subjektiv ehrlich, aber objektiv unvollständig.
Emotionale Nähe & Betriebsblindheit
Private Pferdebesitzer haben meist eine enge emotionale Bindung zu ihrem Pferd.
Diese Nähe kann – trotz bester Absichten – zu einer verzerrten Wahrnehmung führen:
Das ist menschlich, stellt für Käufer jedoch ein zusätzliches Risiko dar.
Trainings- und Nutzungswechsel als Risikofaktor
Viele Privatpferde funktionieren gut innerhalb ihres bekannten Systems:
Nach dem Verkauf ändern sich häufig:
Dieser Wechsel kann sowohl körperliche als auch mentale Probleme erst sichtbar machen, selbst bei Pferden, die zuvor lange unauffällig waren.
Zeitdruck & emotionale Ausnahmesituationen
Privatverkäufe entstehen oft aus persönlichen Notlagen:
In solchen Situationen stehen Verkäufer unter Druck. Probleme werden dann nicht zwingend bewusst verschwiegen, sondern teilweise verdrängt oder verharmlost, um eine Lösung zu finden.
Psychische Altlasten & Ausbildungslücken
Nicht alle Probleme sind körperlich bedingt. Viele Privatpferde bringen psychische oder ausbildungsbedingte Themen mit, etwa:
Diese zeigen sich häufig erst im neuen Umfeld und nicht zwingend bei kurzen Besichtigungen oder Proberitten.
Preisgestaltung & Marktverzerrung
Die Preisgestaltung im Privatverkauf ist extrem variabel:
Dabei werden jahrelange Kosten für:
in der Regel nicht realistisch einkalkuliert. Häufig orientiert sich der Preis am damaligen Kaufpreis oder liegt darunter – insbesondere dann, wenn inzwischen gesundheitliche Einschränkungen bestehen.
Ganz klar gesagt: 👉 Ein topgesundes, verlässlich gerittenes Anfängerpferd für 5.000 € existiert faktisch nicht.
Wann ein Privatkauf sinnvoll sein kann
Trotz der genannten Risiken kann ein Privatkauf in bestimmten Konstellationen sinnvoll sein.
Ein Privatkauf ist insbesondere dann vertretbar, wenn:
Auch der Kauf aus dem nahen persönlichen Umfeld kann sinnvoll sein, etwa:
In diesen Fällen ist bekannt:
Der entscheidende Unterschied zum klassischen Privatkauf liegt darin, dass der Käufer nicht auf Beschreibungen angewiesen ist, sondern das Pferd bereits kennt.
Fazit zum Privatkauf
Der Kauf eines Pferdes von einer Privatperson kann funktionieren, ist jedoch die risikoreichste Kaufoption, insbesondere wenn Pferd und Verkäufer unbekannt sind.
Er erfordert:
Je besser Käufer das Pferd, seine Vorgeschichte und seine Grenzen kennen, desto geringer wird das Risiko.
Je unbekannter Pferd und Verkäufer sind, desto größer ist die Eigenverantwortung des Käufers.