PRE kaufen - Aber wo?


Text: Julia Präger


Da mir das Thema sehr am Herzen liegt, weil mir aufgefallen ist, dass Hobbyreiter sich natürlich deutlich schwerer tun den Pferdemarkt zu durch schauen, weil sie halt einmalig ein Pferd kaufen und nicht wie ich täglich den Pferdemarkt beobachten, hier Hilfestellung wer PRE´s verkauft, mit was ich bei welchem Verkäufer rechnen kann und wo die Unterschiede liegen. Auch möchte ich eine Einordnung geben, wo der Unterschied zwischen PRE und Andalusier liegt.


Da alle Texte sehr lang geworden sind, weil mir das Thema offensichtlich doch viel wichtiger war als ich selbst erst dachte und mir einfach sehr wichtig war, fair, neutral und möglichst vollständig alle Aspekte zu nennen, hier für jeden Marktteilnehmer eine Unterseite per Link zu erreichen, darunter ein Gesamtfazit, das eine Zusammenfassung liefert. Wer in die Tiefe gehen möchte darf gerne für jeden einzelnen Marktteilnehmer den entsprechenden Beitrag lesen.


Bei wem kann ich einen PRE kaufen?

-> Züchter in Deutschland

-> Händler in Deutschland

-> Privatperson in Deutschland

-> Kauf direkt in Spanien

-> PRE versus Andalusier - Wo liegt der Unterschied?


Gesamtfazit: Die vier Kaufwege im direkten Vergleich

Es gibt nicht den einen „richtigen“ Weg, ein Pferd zu kaufen.
Jeder Kaufweg bringt unterschiedliche Chancen, Risiken und Anforderungen mit sich. Entscheidend ist nicht nur das Pferd selbst, sondern auch:

  • Erfahrung des Käufers
  • Anspruch an Nutzung und Ausbildung
  • Budget
  • Bereitschaft, Risiko zu tragen
  • vorhandenes fachliches Umfeld

Die folgende Zusammenfassung dient als Orientierung, welcher Kaufweg zu welcher Ausgangssituation passt.


🟢 Züchter in Deutschland

→ Höchste Transparenz & mentale Stabilität

Kennzeichen:

  • bekannte Abstammung
  • vollständige Gesundheitshistorie
  • kontrollierte Aufzucht und Sozialisation
  • frühe, positive Prägung auf den Menschen

Pferde vom deutschen Züchter sind häufig:

  • roh oder nur wenig gearbeitet
  • nicht perfekt „funktionierend“
  • dafür mental offen, kooperativ und vertrauensvoll

Gerade diese unbelastete Grundhaltung macht sie leicht ausbildbar. Solche Pferde bleiben auch in neuen Situationen meist ruhig und lassen sich oft spielerisch und ohne großen Druck anreiten.

Einordnung: Der planbarste und sicherste Kaufweg, mit höheren Preisen durch Aufzuchtstandards – dafür mit dem geringsten mentalen und strukturellen Risiko.


🟡 Händler in Deutschland (Import aus Spanien)

→ Mehr Auswahl, aber Herkunftsrisiken (Rucksack)

Kennzeichen:

  • Pferde stammen in der Regel ursprünglich aus Spanien
  • begrenzte Vorgeschichte
  • häufig frisch angeritten
  • Qualität stark abhängig vom Händler

Diese Pferde bringen oft einen „Rucksack“ aus ihrem Herkunftssystem mit, das sich äußern kann in:

  • Stress unter dem Reiter
  • Unsicherheit oder Angst im Umgang
  • erhöhter Grundspannung
  • Anpassung unter Druck statt echter Losgelassenheit

Diese Themen zeigen sich nicht immer sofort, sondern oft erst nach dem Umzug oder bei veränderter Ausbildung.

Einordnung: Ein möglicher Mittelweg für erfahrene Käufer – jedoch mit der klaren Erkenntnis, dass „angeritten“ nicht automatisch „einfacher“ bedeutet und teilweise viel Investitionen nötig machen kann um den" Rucksack" zu bearbeiten.


🔴 Privatkauf in Deutschland

→ Stark abhängig vom Einzelfall

Kennzeichen:

  • keine Gewährleistung
  • große Bandbreite an Ehrlichkeit und Fachwissen
  • emotional geprägte Verkäufer
  • stark schwankende Preise

Ein Privatkauf kann sehr gut funktionieren, wenn man das Pferd bereits lange kennt (z. B. Reitbeteiligung, Stallpferd, enger Bekanntenkreis). Der Kauf eines unbekannten Pferdes von einer unbekannten Privatperson ist dagegen hoch riskant.

Einordnung: Kein grundsätzlich falscher Weg – aber der mit der größten Eigenverantwortung und dem höchsten Risiko, wenn wenig Informationen vorliegen.


🔴 Direktkauf in Spanien (mit oder ohne Vermittler)

→ Größte Auswahl, höchste Komplexität

Kennzeichen:

  • sehr große Auswahl
  • andere Haltungs-, Fütterungs- und Umgangsbedingungen
  • geringe rechtliche Durchsetzbarkeit
  • Kauf häufig über Fotos und Videos

Auch hier gilt:

Angerittene Pferde bringen oft mentale und körperliche Belastungen aus ihrem Ausbildungssystem mit - "Rucksack".
Die klimatische, haltungsbedingte und menschliche Umstellung nach Deutschland kann zusätzliche Probleme sichtbar machen.

Positive Erfahrungsberichte existieren – sie sind real, aber nicht repräsentativ. Probleme zeigen sich häufig zeitverzögert und werden seltener öffentlich kommuniziert.

Einordnung: Ein Weg für sehr erfahrene Käufer mit Netzwerk, Tierarzt und Kontrollmöglichkeiten – kein Schnäppchenmarkt und für Einmalkäufer meist mit hohem Risiko verbunden. Ein zentraler Denkfehler: „Angeritten = einfacher“

Ein bereits angerittenes Pferd – insbesondere aus Spanien – wird häufig als der einfachere und günstigere Weg wahrgenommen.
In der Praxis zeigt sich jedoch oft das Gegenteil.

Ein roh aufgewachsenes, positiv auf den Menschen geprägtes Pferd:

  • ist mental unbelastet
  • kooperativ
  • offen für neue Lernprozesse

Ein angerittenes Pferd mit Vorgeschichte kann dagegen:

  • Korrekturarbeit erfordern
  • mehr Fachwissen benötigen
  • höhere Trainings- und Folgekosten verursachen

👉 „Angeritten“ bedeutet nicht automatisch „einfacher“ – oft bedeutet es schlicht „mehr Vorgeschichte“.


Schlussgedanke

Ein guter Pferdekauf beginnt nicht mit der Frage:
-> „Wo bekomme ich das günstigste Pferd?“ sondern mit
-> „Welcher Kaufweg passt zu meiner Erfahrung, meinem Anspruch und meiner Realität?“

Je weniger Erfahrung und Unterstützung vorhanden sind, desto wichtiger werden:

  • Transparenz
  • positive Prägung
  • mentale Stabilität
  • und planbare Rahmenbedingungen


Ich wünsche dir ganz viel Erfolg beim finden deines Kaufweges! Bei Fragen oder dem Bedarf dich über das Thema auszutauschen, darfst du dich gerne bei mir melden, ich werde dich so ehrlich und fair wie möglich beraten.


Herzliche Grüße Julia Präger