PRE kaufen - beim Händler in Deutschland


Text: Julia Präger


Ein Händler in Deutschland importiert Pferde in der Regel LKW-weise aus Spanien, um wirtschaftlich attraktive Einkaufspreise zu erzielen.

Es gibt Händler,

  • die sich auf Andalusier / Cruzados spezialisiert haben,
  • andere, die sowohl Andalusier als auch PREs anbieten,
  • und wiederum Händler, die ausschließlich PREs mit Papieren verkaufen.

Allen Händlern gemeinsam ist, dass sie bereits eine gewisse Vorauswahl treffen. Die Qualität dieser Vorauswahl variiert jedoch stark und hängt maßgeblich vom pferdefachlichen Wissen, Anspruch und der Erfahrung des Händlers ab.

Während manche Händler sehr selektiv einkaufen, wird bei anderen nahezu alles übernommen, was vier Beine hat und optisch zunächst ordentlich wirkt. Häufig erfolgt vor dem Ankauf keine tierärztliche Untersuchung, es wird nicht geröntgt, und es existiert keine belastbare gesundheitliche Historie.

In der Regel ist auch unbekannt:

  • wie das Pferd aufgewachsen ist
  • wer die Elterntiere sind
  • welche Vorerfahrungen das Pferd gemacht hat

Natürlich gibt der Händler eine Einschätzung zu Charakter und Rittigkeit ab – diese bleibt jedoch zwangsläufig eine Momentaufnahme und ist deutlich weniger belastbar als die langjährige Einschätzung eines Züchters.


Charakter, Ausbildung und Verkaufsreife

Bei Händlerpferden muss man damit rechnen, dass sie bestimmte Eigenheiten/Rucksack mitbringen können, z. B.:

  • Unsicherheiten oder Angst im Umgang mit Menschen
  • Stress unter dem Reiter
  • fehlende mentale Stabilität

Was die Pferde zuvor erlebt haben, lässt sich meist nicht nachvollziehen.

Viele dieser Pferde kommen im Alter von etwa 3 bis 8 Jahren nach Deutschland und sind häufig im „Turbogang“ angeritten worden. Routiniert ausgebildete Reitpferde sind dabei eher die Ausnahme.

Ein wichtiger Punkt ist die Art der Ausbildung:
Händlerpferde sind in der Regel verkaufsreif, jedoch nicht nachhaltig ausgebildet. Der Fokus liegt darauf, das Pferd optisch ansprechend, gut kontrollierbar und für kurze Proberitte unkompliziert darzustellen.

Das kann sich unter anderem zeigen in:

  • ansprechender Kopf-Hals-Haltung bei noch fehlender Tragkraft aus der Hinterhand
  • funktionierendem Reiten in gewohnter Umgebung, aber Unsicherheiten im Alltag
  • schnelle Reaktion auf Hilfen bei gleichzeitig fehlender innerer Losgelassenheit

Dies ist kein Vorwurf an den Händler, sondern systembedingt. Eine mehrmonatige, schonende Grundausbildung mit gymnastischem Aufbau ist wirtschaftlich im Handelsbetrieb kaum darstellbar. Ziel ist die Verkaufsfähigkeit, nicht die langfristige Entwicklung des Pferdes.


Herkunft aus Spanien – Auswirkungen auf Verhalten & Ausbildung

Ein wesentlicher Punkt beim Kauf über einen Händler in Deutschland ist, dass diese Pferde in aller Regel ursprünglich aus Spanien stammen.
Damit bringen sie häufig ein Erfahrungs- und Belastungspaket aus ihrem Herkunftssystem mit.

Viele dieser Pferde zeigen – je nach individueller Vorgeschichte – Auffälligkeiten wie:

  • erhöhte Grundspannung
  • Stress unter dem Reiter
  • Unsicherheit oder Angst im Umgang mit Menschen
  • mangelnde Eigeninitiative bei gleichzeitig starkem Anpassungsverhalten
  • hohe Sensibilität auf Druck

Diese Themen sind nicht zwingend sofort sichtbar, sondern treten oft erst:

  • nach dem Umzug
  • bei veränderter Hilfengebung
  • bei mehr Eigenverantwortung des Pferdes
  • oder nach mentaler Entlastung

auf.

Das bedeutet nicht, dass diese Pferde „schlecht“ sind – aber man muss damit rechnen, dass sie ihr Paket aus Spanien mitbringen.


Vergleich zum deutschen Züchter

Dieser Aspekt unterscheidet Händlerpferde fundamental von Pferden aus deutscher Zucht.

Ein Pferd vom deutschen Züchter:

  • ist von Geburt an an den Menschen gewöhnt
  • hat eine positive, vertrauensvolle Grundhaltung gegenüber Menschen
  • ist meist kooperativ, neugierig und lernbereit
  • bleibt auch in neuen Situationen vergleichsweise entspannt

Solche Pferde sind häufig:

  • noch roh oder nur wenig gearbeitet
  • nicht perfekt „funktionierend“
  • aber mental offen, stabil und leicht auszubilden

Gerade deshalb lassen sich diese Pferde oft:

  • spielerisch
  • ruhig
  • ohne massiven Druck

anreiten und ausbilden – auch ohne tiefgehendes Spezialwissen. „Angeritten“ heißt nicht automatisch „einfacher“

Ein häufiger Denkfehler ist: „Das Pferd ist schon angeritten, also spare ich mir Ausbildung und Bereiter.“

Gerade bei aus Spanien importierten Pferden kann das Gegenteil der Fall sein:

  • vorhandene Fehlverknüpfungen
  • Stressmuster
  • Angstreaktionen
  • körperliche Verspannungen
  • mentale Überforderung

können die weitere Ausbildung deutlich schwieriger machen als bei einem roh aufgewachsenen, unbelasteten Jungpferd.

In manchen Fällen entstehen Probleme, die:

  • nur mit viel Fachwissen
  • langer Korrekturarbeit
  • oder gar nicht mehr vollständig

in den Griff zu bekommen sind.

👉 „Angeritten“ bedeutet hier nicht automatisch „der einfachere Weg“. Da man oft sehr viel Geld in Korrektur und Auflösung des Rucksacks investieren muss.


Anpassungsphase nach dem Kauf

Ein Aspekt, der häufig unterschätzt wird, ist die Zeit nach dem Kauf.

Händlerpferde zeigen ihr tatsächliches Wesen oft erst Wochen oder Monate nach dem Umzug in ihr neues Zuhause. Neue Umgebung, neue Bezugspersonen, verändertes Management und ein anderer Reitstil können dazu führen, dass sich Verhalten, Leistungsbereitschaft und Stresslevel deutlich verändern.

Das Pferd, das man beim Händler erlebt, ist daher nicht zwangsläufig identisch mit dem Pferd, das später im heimischen Stall steht – sowohl im positiven als auch im herausfordernden Sinne.

Diese Adaptationsphase ist normal, erfordert jedoch:

  • Geduld
  • pferdegerechtes Management
  • reiterliche Erfahrung oder fachkundige Begleitung

Gerade für weniger erfahrene Käufer kann diese Phase sehr anspruchsvoll sein.


Gesundheitsstatus, Beratung & AKU

Nicht selten sind Importpferde bei Ankunft:

  • nicht geimpft
  • nicht entwurmt

Ein Händler lebt naturgemäß vom Verkauf der Pferde. Entsprechend ist eine wirklich ehrliche Einschätzung, ob ein Pferd zu den Fähigkeiten, Erwartungen und dem Erfahrungsstand des Käufers passt, eher selten zu erwarten.

Der Käufer sollte daher:

  • auf sein eigenes Bauchgefühl hören
  • idealerweise eine erfahrene Begleitperson mitnehmen
  • sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen

Zeitlicher Kaufdruck („es gibt noch weitere Interessenten“) wird nicht selten eingesetzt, um schnelle Entscheidungen zu fördern.

Beim Kauf über einen Händler ist eine Ankaufsuntersuchung (AKU) dringend zu empfehlen, um gesundheitliche Überraschungen möglichst auszuschließen.


Vertragliche Rahmenbedingungen & Preisrahmen

Beim Kauf eines Pferdes über einen Händler handelt es sich rechtlich um einen Verbrauchsgüterkauf. Der Händler unterliegt damit einer gesetzlichen Gewährleistung, die häufig vertraglich verkürzt, jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden kann.

Diese rechtlichen Rahmenbedingungen erklären:

  • den Fokus auf jüngere, vermeintlich risikoärmere Pferde
  • zurückhaltende Aussagen zu langfristiger Gesundheit oder Charakter
  • die oft fehlende detaillierte Vorgeschichte

Im Händlersegment findet man überwiegend frisch angerittene, mehr oder weniger souveräne Pferde in einem Preisrahmen von etwa: 👉 8.000 € – 20.000 €